Technologiezentrum in der Endphase

Hier forschen 21 Firmen mit Weltgeltung

Nächste Woche ziehen die ersten Mieter einNoch Platz in Montagehalle

Der Platz ist zu 82 Prozent belegt. Damit kann sich das Zentrum selbst tragen.

Von Henning Bielefeld

Einswarden - Vor dem gläsernen Portal des Neubaus rumort noch der Bagger, aber die Mieter sitzen schon auf gepackten Koffern. Nächste Woche ziehen die ersten Nutzer in das so gut wie fertige Technologiezentrum Nordenham (TZN) neben dem Einswarder Werk von Premium Aerotec (PAG) ein.

Alle Informationen zum Technologiezentrum gibt es übrigens auch auf der eigenen Internetseite unter www.technologiezentrum-nordenham.de

Walter AG zieht zuerst ein

Es sind die Walter AG, ein Maschinenbauer aus Tübingen, der Werkzeuge zum Drehen, Fräsen und Bohren unter anderem für die Luft- und Raumfahrtindustrie herstellt, und Premium Aerotec selbst.

Premium Aerotec ist der größte Mieter und nutzt in Engeneering-Büros und Hallen etwa 12 Prozent des Hauses, sagt Bürgermeister Hans Francksen, der als Geschäftsführer der Zukunftszentrum Technologie Nordenham-Wesermarsch GmbH auch Bauherr ist. Zweitgrößter Mieter die die GMA aus Düsseldorf, die sowohl mit ihrer Engeneering GmbH als auch mit ihrer Werkstoffprüfung GmbH ins TZN einzieht. Für dieses Unternehmen, das als eines der letzten unterschrieben hat, werden noch die beiden insgesamt 440 Quadratmeter großen Labors hergerichtet, so dass es erst nach der offiziellen Einweihung am 29. September vollständig einziehen kann.

Vor dem Technologiezentrum Nordenham (TZN) wird noch gebaut, aber drinnen ist schon so gut wie alles fertig. Auch die Kräne in den beiden Montagehallen sind schon eingebaut. Die Mieter – dazu gehören auch die Wirtschaftsförderung Nordenham und Zeit & Service – ziehen jetzt ein. BILD: Jens Milde, NWZ

Lange bangen musste Hans Francksen auch, ob Jamco einzieht. Das 1955 gegründete japanische Unternehmen mit Sitz in Tokio hat zunächst nur Flugzeuge gewartet, liefert seit Mitte der 70er Jahre aber auch Einrichtungen etwa für Bord-Toiletten oder Rauchmelder. Während des Tsunamis am 11. März wurde die Niederlassung des Unternehmens am Flughafen Sendai von der Riesenwelle total zerschmettert. Da hatte Jamco andere Sorgen, als sich um Platz in einem Technologiezentrum in Einswarden zu kümmern. "Glücklicherweise ist kein Jamco-Mitarbeiter in Sendai ums Leben gekommen", freut sich Hans Francksen.

Fast gleich groß sind die Flächen des jungen Unternehmens Cotesa aus dem sächsischen Mittweida – einem Zentrum des deutschen Maschinenbaus –, das sich auf komplexe CFK-Profile – etwa für Flugzeug-Leitwerke – und leichte, mehrdimensionale Sandwich-Strukturen spezialisiert hat.

Als Ideenschmiede für die Industrie gelten auch der weltweit agierende amerikanische Maschinenbau-Konzern MAG und das Unternehmen Engeneering & Design AG (EDAG) mit Sitz im hessischen Fulda, dessen 5800 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern im Auftrag von Fahrzeug- und Luftfahrtunternehmen einzelne Module, aber auch ganze Fahrzeuge produzieren.

Weitere große Namen im Technologiezentrum sind die Brötje Automationstechnik aus Wiefelstede (Kreis Ammerland), die unter anderem Nietanlagen für die Luftfahrtindustrie baut, und Bard Engeneering aus Emden. Bard baut On- und Offshore-Windkraft-Anlagen und musste erst davon überzeugt werden, dass es von der Zusammenarbeit mit der Luftfahrtindustrie profitieren kann, sagt Hans Francksen

In der Klimahalle ist es rund um die Uhr 20,6 Grad warm

Das Technologiezentrum bietet eine Gesamtnutzfläche von 5700 Quadratmetern. Im Dienstleistungsgebäude sind Projekt- und Firmenbüros sowie Seminarräume und ein großes Foyer untergebracht. Dazu kommen zwei jeweils rund 1500 Quadratmeter große und 11,50 Meter hohe Hallen. Eine ist nach heutigem Standard wärmegedämmt, die andere wird durch eine Klimaanlage sommers wie winters auf 20,6 Grad gehalten.

In den Hallen werden Fertigungsverfahren entwickelt und Mitarbeiter ausgebildet. Dazu kommen Schulungsräume und Räume für praktische Arbeiten. Kernstück des Hauses ist ein Seminarraum mit 100 Sitzplätzen, der zum Foyer geöffnet werden kann.

Mehr als 100 Gespräche

Der Bürgermeister musste sehr viel Zeit darin investieren, Mieter für das Technologiezentrum anzuwerben. Mehr als 100 Gespräche habe er mit Interessenten geführt, sagt Hans Francksen. Dazu kamen seit der Grundsteinlegung im Juni 2010 zahllose Baubesprechungen. Er bedauert, dass er deshalb zu wenig Zeit für öffentliche Termine hatte. Insgesamt hat er 21 Unternehmen und Institute angeworben – viele mit Weltgeltung. Zu den Instituten gehören das Laser-Zentrum Hannover – mit dieser Technik sollen die CFK-Elemente verbunden werden – und das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) aus Bremen, dessen 400 Mitarbeiter Produkte und Verfahren bis zur Anwendungsreife entwickeln.

Jetzt sind 82 Prozent des Technologiezentrums belegt, sagt Hans Francksen. Das reicht, um die Kosten zu tragen. Zu haben ist noch knapp die Hälfte der Montagehalle; dafür laufen Gespräche.

Das Technologiezentrum bietet eine Gesamtnutzfläche von 5700 Quadratmetern. Im Dienstleistungsgebäude sind Projekt- und Firmenbüros sowie Seminarräume und ein großes Foyer untergebracht. Dazu kommen zwei jeweils rund 1500 Quadratmeter große und 11,50 Meter hohe Hallen. Eine ist nach heutigem Standard wärmegedämmt, die andere wird durch eine Klimaanlage sommers wie winters auf 20,6 Grad gehalten. In den Hallen werden Fertigungsverfahren entwickelt und Mitarbeiter ausgebildet. Dazu kommen Schulungsräume und Räume für praktische Arbeiten. Kernstück des Hauses ist ein Seminarraum mit 100 Sitzplätzen, der zum Foyer geöffnet werden kann

Copyright: Nordwest Zeitung, 10.08.2011


Entwicklungen befassen sich mit CFK

Arbeit der Ingenieure hat zunächst vier Schwerpunkte

Doch weitere Themen müssen her. Ein Innovationsrat formuliert sie.

Von Henning Bielefeld

Ständig etwa 100 Fachkräfte im TZN

Einswarden - Etwa 100 Fachkräfte werden ständig im TZN forschen, zeitweilig können es mehr sein. Das sagt Bürgermeister Hans Francksen. Er verweist darauf, dass der 12,7 Millionen teure Bau nur durch die Ausgliederung des Einswarder Flugzeugwerks in die Airbus-Schwester Premium Aerotec möglich war. Das zwang die Flugzeugbauer, die Produktionsabläufe für den neuen Werkstoff selbst zu entwickeln. In früheren Jahren hatte die Entwicklung größtenteils bei Airbus in Hamburg stattgefunden. Die anfangs mit großen Sorgen begleitete Ausgliederung habe sich also im Nachhinein als Glücksfall erwiesen. 

Einswarden - Die Mieter im Technologiezentrum Nordenham (TZN) forschen auf dem Gebiet der Kohlefaserverstärkten Verbundstoffe, kurz CFK. Diesem leichten Werkstoff wird im Flugzeugbau, bei der Windenergie und auf den Werften eine große Zukunft vorausgesagt.

Doch CFK ist ein teurer und komplexer Werkstoff, bei dem noch viele praktische Erfahrungen fehlen. Deshalb steht bei den Forschungen im TZN zunächst der Einsatz beim A 350 im Mittelpunkt, dem ersten Airbus, dessen Außenhaut weitgehend aus CFK bestehen soll. Er soll ab 2014 fliegen. Bei der Windenergie geht es um Rotorblätter – vor allem in Windparks auf See – und bei den Werften um Spezialschiffe.

In Einswarden steht die Vorserien-Entwicklung im Mittelpunkt, die maximal fünf Jahre vor Aufnahme der Produktion einsetzt. Das unterscheidet das TZN vom Technologiezentrum in Stade, dem sogenannten CFK-Valley, bei dem der Schwerpunkt auf der Forschung liegt. Sie setzt maximal zehn Jahre vor Aufnahme der Produktion ein.

Vier große Themen stehen zunächst im Mittelpunkt der Arbeit des TZN:

  • die Fertigung der Rumpfschalen aus CFK-Streifen, die deutlich schneller werden muss,
  • die Fertigungstechnik für Stringer und Spanten – sie bilden das Gerüst der Außenhaut des Flugzeugs –, die deutlich günstiger werden muss,
  • die Automatisierung und Beschleunigung beim Einbau von Stringern und 
  • die Automatisierung der Montage von CFK-Schalen.

Dazu kommt die Einführung von Facharbeitern und Auszubildenden in die CFK-Technik, für die die kreiseigene Beschäftigungs-Fördergesellschaft "Zeit & Service" verantwortlich zeichnet. Bürgermeister Hans Francksen sagt, das TZN sei "eine Plattform für den Austausch von Wissen". Deshalb gibt es insgesamt neun Seminar- und Besprechungsräume.

Schon ab Anfang 2012 muss an neuen Forschungs-Programmen gearbeitet werden, die ab 2014 beackert werden sollen, wenn der A 350 fliegt. Dafür wird ein Innovationsrat aus hoch qualifizierten Fachleuten gebildet.

Copyright: Nordwest Zeitung, 10.08.2011


Hinter die Kulissen des Technologiezentrums Nordenham

 

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