Praxisorientierte Zusammenarbeit
Schwere Aufgabe für Schulen
Hilfe bei der Berufsorientierung für Schüler immer wichtiger – Oft fehlt es Lehrkräften an Fachkenntnissen
Nordenham. So reibungslos wie möglich soll für Jugendliche der Übergang von der Schule in den Beruf sein. Was Schulen und auch Wirtschaft dafür tun können, um dieses Ziel zu erreichen, erfuhren jetzt Vertreter aus der Wirtschaft, den Schulen, Politik und Verwaltung von zwei Fachleuten.
Das Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Nordenham hatte die Veranstaltung zum Thema "Praxisorientierte Zusammenarbeit Schule/Wirtschaft" organisiert. Professor Dr. Hans Kaminski, Direktor des Instituts für ökonomische Bildung (IÖB) in Oldenburg, und sein Kollege Professor Dr. Rudolf Schröder, der die Stiftungsprofessur Berufsorientierung innehat, erläuterten, wie das IÖB mit seinen Projekten Schulen dabei helfen kann, Jugendliche effektiv und angemessen auf die Berufswahl vorzubereiten.
Gerade in Sachen Ökonomie unterrichteten zahlreiche Lehrer fachfremd, betonte Hans Kaminski. Nur 0,7 Prozent der niedersächsischen Lehrkräfte verfügen über die sogenannte Facultas für ökonomische Bildung, haben sich also im Studium ausgiebig mit Wirtschaftsthemen befasst. Auch aus diesem Grund entwickele das IÖB Konzeptionen für die ökonomische Bildung und Qualifizierung an verschiedenen Schulformen, so der Professor.

Fachübergreifend
Er stellte den Zuhörern die neuen Kerncurricula für das Fach Wirtschaft und Berufsorientierung vor. Dabei handelt es sich um die Lerninhalte, die Jugendliche in Sachen ökonomischer Bildung vermittelt bekommen sollen. "Wie bekommt man Berufsorientierung als fachübergreifendes Prinzip im Unterricht unter?", fragte der Fachmann.
Einfach sei es nicht, lautete seine Antwort. Die Berufsorientierung sei ein Feld, das die Schulleitung sich zu eigen machen müsse. Es gehe nicht ohne innerschulische Fortbildungen und Aufnahme des Themas in die Lehrerausbildung.
Nötig sei eine Zusammenarbeit der Schulen mit Eltern, Unternehmen, Universitäten, und Organisationen. Alle Schulen müssten den Schülerinnen und Schülern ein Fundament vermitteln, das unabhängig von den örtlichen Gegebenheiten sei.
Systematisches Vorgehen
Professor Dr. Rudolf Schröder betonte, dass gerade angesichts der stärkeren Praxisorientierung von Haupt- und Realschulen die Unternehmen als Partner gefragt seien – zunächst für Praktika, dann für die Ausbildung. Er riet den Schulen dazu, für die Unternehmen feste Ansprechpartner auszuwählen.
"Wichtig ist, dass in Sachen Berufsorientierung die Schulen systematisch vorgehen", betonte er. Es müsse stets überlegt werden, welches der zahlreichen Angebote, die es in Sachen Berufsorientierung gibt, zu welcher Zeit für die Jugendlichen sinnvoll sei. Auch müssten Praktika und Berufserkundungen sowohl vor- als auch nachbereitet werden.

Der Professor räumte mit der Vorstellung auf, dass Abiturienten automatisch ins Studium gingen. Rund 30 Prozent, so sagte er, absolvierten eine berufliche Ausbildung. Darauf müssten die Gymnasien in ihrer Behandlung des Themas Rücksicht nehmen.
Dass mitunter die Vorbereitung auch aufs Studium nicht optimal ist, belegte der Fachmann mit Zahlen über Abbrecherquoten: Bei den Bachelorstudiengängen liegen sie bei rund 30 Prozent. (er)
Copyright: Kreiszeitung Wesermarsch, 25.02.2010








