Einwohnerzahl sinkt weiter

Einwohnerzahl schrumpft immer weiter

Erstmals unter 27 000 - Arbeitsgruppe der Stadt beschäftigt sich mit dem Wandel

Vor allem der Norden ist betroffen. Nach einer Prognose gehen der Stadt bis 2025 weitere 2000 Bürger verloren.

Von Jens Milde

Nordenham - Die Einwohnerzahl in Nordenham geht immer weiter bergab. Erstmals seit Jahrzehnten hat sie die Marke von 27 000 unterschritten. Ende November lebten 26 969 Menschen in der Stadt. 2000 waren es noch 28 183. Allein seit 2000 hat Nordenham mehr als 1100 Einwohner verloren.

Die Bevölkerungsentwicklung bleibt nicht ohne Folgen: Je weniger Einwohner, desto geringer ist der Anteil, den die Stadt aus der Einkommensteuer bekommt. Die Zahl der leer stehenden Wohnungen nimmt zu, Schulen verlieren Schüler, Kindergärten verlieren Kinder. Und je mehr die Auslastung bei den öffentlichen Einrichtungen zurückgeht, desto schwieriger wird es, sie zu finanzieren.

Arbeitsgruppe gegründet

Im März hat die Verwaltung eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dem demographischen Wandel beschäftigt und einem politischen Gremium mit Vertretern der Stadtrats-Fraktionen zuarbeitet. Nach den Worten der Demographie-Beauftragten Uschi Wilkens ist die Stadt dabei, alle verfügbaren Daten über die Bevölkerungsentwicklung auszuwerten. Grundlage ist ein Demographiebericht, den ein Experte ausgearbeitet hat.

Die Bevölkerungsentwicklung in Nordenham geht seit vielen Jahren bergab. Im November sank die Einwohnerzahl erstmals unter die Marke von 27 000.

Nach den Worten von Uschi Wilkens fällt der demographische Wandel in den einzelnen Stadtteilen sehr unterschiedlich aus. In Abbehausen und Ellwürden ist die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren angestiegen - auf 3200. In Esenshamm, wo zurzeit 1000 Menschen leben, ist sie stabil geblieben. Einbußen hat vor allem der Stadtnorden zu verzeichnen. In Blexen wurden Ende Juni 2767 Bürger gezählt, das sind etwa 300 weniger als vor 20 Jahren. Einswarden (2195) verlor im selben Zeitraum rund 700 Bewohner. Friedrich-August-Hütte hat 2400 Einwohner - das ist ein Drittel weniger als vor 20 Jahren. Der Innenstadtbereich hat dagegen nur leichte Einbußen zu verzeichnen. In den vergangenen 20 Jahren sank die Einwohnerzahl hier um 400 auf 14 108.

Der Bevölkerungsrückgang hat mehrere Ursachen. Die Zahl der Sterbefälle ist seit vielen Jahren höher als die der Geburten. Aber das ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Einwohnerzahl schrumpft. Die Arbeitsgruppe Demographischer Wandel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ursachen für die Entwicklung zu analysieren. Diese Arbeit ist wichtig für die langfristige Planung. Denn wenn die Entwicklung so weiter geht wie bisher, stellt sich zum Beispiel die Frage, ob einzelne Schulen auf Dauer gehalten werden können. In Esenshamm beispielsweise sind die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren so geschrumpft, dass die Grundschule mit der in Abbehausen zusammengelegt wird. Auf der anderen Seite könnte der Bedarf an Senioreneinrichtungen steigen.

Durchschnittsalter steigt

Die Prognose für Nordenham im Jahre 2025 geht davon aus, dass das Durchschnittsalter der Einwohner von jetzt 43,4 auf 46,4 Jahre steigen wird und dass die Stadt weitere knapp 2000 Einwohner verliert. Grundlage dieser Vorhersage sind Hochrechnungen, die auf den Geburtenzahlen, den Sterbefällen sowie den Zu- und Abwanderungen der vergangenen Jahre basieren. Die Prognose ist aber nicht besonders verlässlich. Nach den Worten von Uschi Wilkens spielen viele andere Faktoren eine Rolle. Am wichtigsten ist das Arbeitsplatzangebot. In einzelnen Stadtteilen kann die Ausweisung von Baugebieten dazu führen, dass die Bevölkerungszahl wächst. Für die Arbeitsgruppe geht es auch um die Frage: Wie kann die Stadt gegensteuern?

Der demographische Wandel ist ein Thema bei der Stadtratssitzung an diesem Donnerstag ab 18 Uhr im Rathaus. Die CDU hat den Antrag gestellt, einen Demographie-Ausschuss einzurichten. Er soll Ratsbeschlüsse auf ihre Nachhaltigkeit für künftige Generationen überprüfen.

Copyright: Nordwest Zeitung, 16.10.2009

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