Vereine ziehen bei Sparmaßnahmen mit

25 Prozent weniger für die Vereine

Vertreter der Kultur- und Sportvereine zeigen Verständnis für die Konsequenzen aus der finanziellen Not der Stadt

Nordenham (gl). Hans Francksen verglich die Situation mit der eines Privathaushalt, der die Notbremse zieht, weil er feststellt, dass tiefe Ebbe auf dem Konto herrscht. Ganz ähnlich geht es auch der Stadt Nordenham. Für die Sparmaßnahmen, die jetzt notwendig sind, warb der Bürgermeister am Montagabend bei den betroffenen Vereinen um Verständnis – mit Erfolg.

Bürgermeister Hans Francksen demonstrierte den Vereinsvertretern die negative Entwicklung bei den Gewerbesteuereinnahmen der Stadt. Foto: gl

Die Jahnhalle, die die Stadt als Ort für die Informationsveranstaltung ausgewählt hatte, war voll. Wer allerdings erwartet hatte, die versammelten Vertreter der Nordenhamer Vereine würden eine Meuterei anzetteln, der sah sich getäuscht. Der Bürgermeister stieß auf breites Verständnis für den notgedrungenen Sparkurs, den die Stadt einschlagen will. SVN-Vorsitzende Annemarie Hadeler sowie der Vorsitzende der Goethegesellschaft, Burkhard Leimbach, lobten die Fairness, die die Stadt an den Tag lege, indem sie das Gespräch mit den Vereinen sucht, bevor Beschlüsse gefasst sind.

Hohes Niveau

Hans Francksen verdeutlichte den Vereinsvertretern die Finanzlage der Stadt. Nach dem aktuellen Stand belaufen sich in diesem Jahr die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt auf 3,8 Millionen Euro – ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut Jens Freese, Leiter des Sport- und Kulturamtes, übertreffen alleine die laufenden Ausgaben für die Vereine sowie für die Sport- und Kultureinrichtungen in Nordenham die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen. Für die Förderung der Sport- und Kulturvereine sowie für den laufenden Betrieb von Einrichtungen wie der Jahnhalle und der Friedeburg, der Sporthallen und -plätze, der Hallenbäder, der Stadtbücherei, der Jugendeinrichtungen, des Museums, der Bücherei sowie der Spielplätze und des Strandbades gibt die Stadt laut Jens Freese im Jahr 4 Millionen Euro aus. In diesem Betrag seien Investitionskosten noch nicht enthalten, sagte der Amtsleiter.

Der Bürgermeister betonte, dass die freiwilligen Leistungen Nordenhams sich verglichen mit anderen Städten auf einem "gigantisch" hohen Niveau bewegten. Damit wird es vorerst vorbei sein. "Wir wollen keine Strukturen zerschlagen, aber wir müssen durch dieses Loch durch. Und dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen", sagte Hans Francksen. Er versicherte, dass die Verwaltung sich ihre Sparvorschläge sehr gut überlegt habe und keineswegs willkürlich vorgegangen sei.

Folgende Punkte stehen unter anderem auf der Sparliste:

  • Die Zuschüsse an Sport- und Kulturvereine sowie für Jugendfahrten sollen laut Verwaltungsvorschlag pauschal um 25 Prozent gekürzt werden.
  • Das Lehrschwimmbecken am Strand soll geschlossen werden.
  • Für die Hallenbäder und die Stadthalle Friedeburg sollen die Entgelte erhöht werden.
  • Das Theaterprogramm in der Friedeburg soll auf sechs Stücke statt bisher acht reduziert werden. Die Stadt will auf die teuren Musikproduktionen verzichten und die Theatergänger dafür zwei Mal im Jahr kostenlos mit dem Bus zu Musikaufführungen ins Oldenburgische Staatstheater fahren.
  • Bei der Unterhaltung der Sportzentren sollen die Vereine mehr Eigenleistung einbringen und dadurch die Stadt entlasten.
  • Die Mehrzweckräume in Phiesewarden und Einswarden sollen an Dritte übergeben werden – zum Beispiel an die Vereine, die sie nutzen.

Sparkurs auf Zeit

Hans Francksen machte deutlich, dass der Sparkurs nur für einige Jahre notwendig sein werde. Er sieht gute Perspektiven für Nordenham – nicht zuletzt im Hinblick auf die hohen Investitionen, die die Industrie zurzeit tätigt. Fazit des Bürgermeisters: "Nordenham ist stark und soll stark bleiben. Jetzt müssen wir aber zwei Fastenjahre durchhalten." Ob es denn wirklich nur zwei Jahre seien, wollte Burkhard Leimbach als Chef der Goethegesellschaft wissen. Dafür könne er keine Garantie geben, räumte der Bürgermeister ein.

Gestern Abend hat die Verwaltung dem Finanzausschuss des Rates das Konzept zur Haushaltssicherung offiziell vorgestellt. Bis Ende Oktober muss das Papier verabschiedet sein.

Copyright: Kreiszeitung Wesermarsch, 18.09.2009

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