Sozialer Tag für Mali

Schüler und Lehrer arbeiten für Mali

Beim "Sozialen Tag" der Realschule I übernehmen Jungen und Mädchen unterschiedliche Aufgaben, um Spendengeld zu verdienen

Felix Petersen, Tilischa Pump und Nurhüda Acar (von links) bereiten Werbebroschüren in der Viktoria-Apotheke mit Stempeln und Aufklebern vor.Nordenham (flo). Etwas schüchtern steht Stefan Möller hinter dem Ladentresen im Blumenhaus Freels. Doch das ändert sich, als ihm Bärbel Garbade ein Werkzeug in die Hand gibt, um rote Rosen zu entdornen. Sofort legt Stefan los und zieht das Gerät über die Stiele der Blumen. "Das macht Spaß", meint der 13-Jährige. Wie viele andere Schüler der Realschule I arbeitete er gestern für den guten Zweck.

Seit 8 Uhr ist er in dem kleinen Laden in Abbehausen aktiv. Mehrere Kästen mit Heidepflanzen hat er gestaltet, Manschetten um die Pflanzen gefaltet und das Geschäft ausgefegt. Dafür bekommt er einen Stundenlohn, den die Blumenhaus-Inhaberin direkt auf das Sonderkonto der Realschule überweist. So kommt das Geld auf direktem Wege an und kann von der Schulleitung an die Hilfsorganisation Solisa weitergeleitet werden. Solisa betreibt Entwicklungshilfeprojekte im westafrikanischen Land Mali. "Ich finde die Aktion gut, weil hier nicht direkt um Spenden gebeten wird", sagt Bärbel Garbade. "Und die Kinder lernen, dass man arbeiten muss, um Geld zu verdienen."

Ein paar Schritte weiter ist Melissa Peters gerade dabei, Gemüsekonserven ins Regal des Markant-Supermarktes einzuräumen. Inhaberin Ute Jens unterstützt die Neuntklässlerin. "Am Anfang war Melissa etwas schüchtern, aber jetzt hat sie schon viel geschafft", sagt die Markt-Inhaberin. Ihr Betrieb mache bei jedem Sozialen Tag der Realschule mit.

"Einfach Gutes tun"

Julius Neumann (links) und Jan-Eric Neels befreien das Außenbecken des Störtebeker-Bades von Schmutz, den die Enten dort hinterlassen."So kann man einfach Gutes tun", findet Ute Jens. Bis zum Mittag sortiert Schülerin Melissa Waren ein, druckt Plakate, tauscht Preisschilder aus und arbeitet Einkaufslisten für den Lieferservice des Supermarktes ab. "Ich finde es gut, dass ich so die Gelegenheit habe, in die Berufswelt hineinzuschnuppern", findet Melissa Peters.

In der Viktoria-Apotheke sind Tilischa Pump, Nurhüda Acar und Felix Petersen an diesem Vormittag damit beschäftigt, die Werbekataloge der Pharma-Firmen mit dem Apotheken-Emblem zu versehen. "Eine mühsame Aufgabe", gibt Susanne Wieting zu, die in der Apotheke als Pharmazeutisch-Technische Assistentin arbeitet und die drei Sechstklässler betreut.

Doch die zwei Mädchen und der Junge sind mit Eifer dabei. "Wir wissen ja genau, wofür wir arbeiten", sagt Felix. "Herr Niakaté hat uns erzählt, wie die Kinder in Mali leben." Bandiougou Niakaté von der Hilfsorganisation Solisa hatte die Realschüler vorab über seine Projekte informiert (die Kreiszeitung berichtete).

Im Störtebeker-Bad sind Jan-Eric Neels und Julius Neumann unterdessen dabei, das Außenbecken von Verunreinigungen zu befreien. Mit einem Sauggerät, das eher an einen Apparat zum Fensterputzen erinnert, streifen sie über den Boden des Beckens. "Das ist ein netter Job", findet der elfjährige Jan-Eric. Und sein gleichaltriger Klassenkamerad Julius meint: "Es macht Spaß, den Kindern in Mali zu helfen. Wir haben gehört, dass es dort kaum Spielsachen für die Kinder gibt." Zur Belohnung für ihre Arbeit dürfen die zwei nach Feierabend dann auch noch eine Runde schwimmen gehen.

Lehrer räumen auf

Mit einer speziellen Zange befreit Stefan Möller die Rosen im Blumenladen von Bärbel Garbade von Blättern und Dornen. Der 13-Jährige Realschüler arbeitet wie seine Schulkameraden für den guten Zweck.Insgesamt 430 Schüler der 5. bis 10. Klasse arbeiten am "Sozialen Tag" außerhalb der Schule. Arbeitgeber sind Privatpersonen, Vereine, viele Kaufleute, Handwerksbetriebe und Industriebetriebe. 20 Schüler der 5. Klasse sind in einem Projekt aktiv. Sie basteln Postkarten, die sie demnächst verkaufen werden. Auch dieser Erlös kommt der Hilfsorganisation Solisa zugute.

Sogar die Lehrer arbeiten an diesem Tag in einem anderen Metier. Sie räumen in der Schule auf und bauen um. Dafür ernten sie genauso den Dank der Rektorin Heidrun Beck wie alle Schüler und Arbeitgeber. Die Auswertung, wie viel Spendengeld zusammengekommen ist, kann erst nach Eingang der Spenden festgestellt werden. Die Realschule rechnet aber mit einem fünfstelligen Betrag.

Copyright: Kreiszeitung Wesermarsch, 10.09.2009

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.rs1-online.de (Homepage der Realschule I Nordenham).

Beitrag von Radio Weser.TV zum Sozialen Tag


Copyright: Radio Weser.TV, Studio Nordenham, 08.10.2009

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