Bundesweite Aktion Stolpersteine
„Stolpersteine“ erinnern an Verfolgte und Ermordete
Stadt nimmt an bundesweiter Aktion teil – Messingsteine vor Wohnhäusern von NS-Opfern
Nordenham (er). An von den Nationalsozialisten verschleppte und
vertriebene Juden, Sinti und Roma, politisch Missliebige, Homosexuelle, Zeugen
Jehovas und Euthanasieopfer erinnern vielerorts Messingsteine, die vor den
früheren Wohnhäusern der Opfer ins Pflaster eingelassen sind. Spätestens im
kommenden Jahr erhält auch Nordenham solche „Stolpersteine“.
Aus Nordenham verschwanden zwischen 1933 und 1945 Einzelpersonen und ganze Familien, die den Nazis ein Dorn im Auge waren. „Etwa 20 Personen“, sagt Harri Kühn, der bei der Stadtverwaltung für das Projekt Stolpersteine zuständig ist.
Vom Museum Nordenham hat die Stadt sich die Liste der vertriebenen und ermordeten Juden besorgt. Der Verkäufer Walter Friedemann zum Beispiel wurde in Auschwitz umgebracht, ebenso wie Sofia K. Jacobs und andere. Einige Familien gingen ins Ausland, doch nicht immer rettete sie das vor Verfolgung.
Dort, wo die Opfer des Nationalsozialismus ihre letzte selbst gewählte Wohnung hatten, werden vor dem Haus die Stolpersteine gelegt. „Hier wohnte“ steht auf dem Messingstein, dazu die Lebensdaten. Wer vorübergeht, wird erinnert an das Schicksal hinter den Namen. „Wir konnten die Wohnhäuser in Nordenham alle finden. Einige von ihnen sind kaum verändert“, weiß Harri Kühn.
Ins Leben gerufen hat die Aktion Stolpersteine der in Köln lebende Künstler Gunter Demnig. Erstmals verlegte er 1997 in Berlin-Kreuzberg die Gedenksteine, damals noch ohne Genehmigung. Seit dem Jahr 2000 finden sich die Steine auch in anderen deutschen Städten. In der Region wird in Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst und Sandstedt so an die Verfolgten und Ermordeten erinnert.

Terminschwierigkeiten
An Gunter Demnig hat die Stadt nach Auskunft von Harri Kühn die Namensliste bereits weitergegeben. In seiner Werkstatt werden die Messingsteine angefertigt. Zur Verlegung kommt der Künstler selbst in die Stadt. „Wir hatten schon einen Termin, aber der lag mitten in den Sommerferien, und das wollten wir nicht“, sagt der Stadtbedienstete. Nun stehe noch nicht fest, wann die Verlegung stattfinden soll. „In diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr.“
Ein Stolperstein kostet 95 Euro. „Wir wünschen uns noch Sponsoren“, sagt Harri Kühn. Wenn sich keine fänden, werde aber die Stadt die entsprechende Summe aufbringen.
Copyright: Kreiszeitung Wesermarsch, 28.08.2009






